Das war das
Film Fest Wels '96

Anmerkung: Das Archiv der Österreichischen Film Tage (von 1994-1996: "Film Fest Wels") ist als Sammlung Pyrker im Österr. Filmarchiv einsehbar.
Eine ausführliche Chronik der Festivals ist in der Zeitschrift METEOR erschienen, Text (c) Christian Cargnelli, hier verfügbar als PDF (Danke!).

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In der österreichischen Messestadt Wels fanden vom 2.-6. Oktober 1996 zum 11. Mal die Österreichischen Film Tage statt. Das Team um Festivalleiter Reinhard Pyrker präsentierte neue heimische und europäische Spielfilme, Komödien, Kinderfilme und Avantgardearbeiten. Traditioneller Spielort war wieder das Welser Stadttheater im Hotel Greif, das mit über 600 Sitzplätzen zu den größten Kinos in Österreich zählt. Eröffnet wurde mit der österreichischen Erstaufführung von Peter Patzak's Literaturverfilmung "Brennendes Herz".

"Da wir mit einem Sparbudget von nur 2 Mio Schilling auskommen mussten, war ich bemüht, ein kleines, aber feines Festival auf die Beine zu stellen", so Pyrker. Der Start erfolgte mit dem aufwendigen, zweistündigen Zeitepos "Brennendes Herz - Tagebuch einer Flucht" von Peter Patzak, mit Helmut Griem und Dominique Sanda in den Hauptrollen. Mit der Österreichischen Erstaufführung der großen europäischen Produktion "Hundert und eine Nacht" von Agnes Varda erwiesen wir dem Jubiläum 100 Jahre Kino unsere Referenz."

Zu den Abendterminen wurden heimische Regisseure eingeladen, ihre Erfolgskomödien zu zeigen und anschließend einen europäischen Wunschfilm ihrer Wahl zu präsentieren. So zeigte der Wiener Regisseur David Rühm seine Krimikomödie "El Chicko" und den polnischen Film "Die Handschrift von Saragossa", ein cineastisches Gustostück aus den 60er Jahren. Der Salzburger Reinhard Schwabenitzky war mit seiner Ehebruch-Komödie "Ein fast perfekter Seitensprung" in Wels vertreten und zeigte als Wunschfilm "Sein oder Nichtsein", Ernst Lubitsch's virtuose Satire auf die Nationalsozialisten aus dem Jahr 1942. "Freispiel"-Regisseur Harald Sicheritz präsentierte den Stephen Frears-Streifen "The Snapper".

Zum Jubiläum "100 Jahre Kino" stellte Professor Dr. Walter Fritz vom Österreichischen Filmarchiv die kolorierte Stummfilm-Entdeckung "Seine Hoheit der Eintänzer - Das entfesselte Wien" vor. Eine andere Rarität war "Die Räubersymphonie", ein Märchenfilm des Exilösterreichers Friedrich Feher. Der Film entstand 1936 im Londoner Exil und wurde kurz zuvor vom Wiener Filmwissenschaftler Dr. Franz Grafl in einem Pariser Privatnachlaß entdeckt.

Weitere Programm-Höhepunkte waren eine Werkschau mit Filmen des Trickfilmkünstlers Hubert Sielecki, der auch gemalte Animationen seines deutschen Kollegen Jochen Kuhn vorstellte, sowie Avantgardefilme von Linda Christanell, Moucle Blackout, Hermann Hendrich und Marc Adrian. In der Kinderfilmschiene waren "Ein Rucksack voller Lügen", der neue Film des Salzburger Regisseurs Wolfram Paulus, sowie drei Streifen des Erfolgsduos Bernd Neuburger (Regie) und Nadja Seelich (Drehbuch) zu sehen, darunter auch ihr aktueller Kinderfilm "Lisa und die Säbelzahntiger".

Die Jury setzte sich zusammen aus Professor Dr. Walter Fritz, Filmhistoriker (Wien), Dr. Thomas Rothschild, Publizist (Stuttgart), Ulrike Steiner, Filmkritikerin (Linz) und vergab zum Abschluß der Film Tage folgende Preise:

Preis der Österreichischen Film Tage, gestiftet vom Land Oberösterreich (ATS 150.000): "Hasenjagd Vor lauter Feigheit kein Erbarmen" von Andreas Gruber. Begründung: Über die zeitgeschichtliche Aufarbeitung hinaus ist der Film ein Plädoyer für Zivilcourage und gelebten Humanismus. Er wendet sich klar gegen Opportunismus und Feigheit.

Filmpreis der Stadt Wels, gestiftet von der Stadt Wels (ATS 50.000): Autorin Nadja Seelich und Regisseur Bernd Neuburger. Begründung: Das Team Seelich/Neuburger hat in Österreich mit seiner Arbeit dem Kinderfilm einen entscheidenen Neuimpuls gegeben und dafür im eigenen Land bisher zu wenig Anerkennung gefunden.

Die Preise wurden am 4.10.1996 im Kino/Hotel "Greif" von Landtagsabgeordneten Professor Werner Wigelbeyer (Land Oberösterreich) und Kulturstadtrat Georg Kransteiner (Stadt Wels) den anwesenden Filmemachern Nadja Seelich, Bernd Neuburger und Andreas Gruber überreicht.


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